Episode 36: Prof. Dr. Gerrit Brösel Konzernbilanz 2017

Ein Thema, trocken wie Knäckebrot – aber irgendwie wollten wir das mal wieder angehen. Der FC Schalke 04 hat kürzlich seine Konzernbilanz für das Geschäftsjahr 2017 veröffentlicht und wir haben einen absoluten Experten auftreiben können, der uns hilft, das Ganze zu verstehen.

Univ.-Prof. Dr. rer. pol. habil. Gerrit Brösel, ist ebenfalls wie wir Schalke-Mitglied und lehrt an der Fernuniversität Hagen. Selten hat sich jemand so gewissenhaft auf eine Sendung vorbereitet, wie Gerrit. Ein Aktenordner, unzählige Notizen, dazu eine Excel-Tabelle, die wir hier zum Download anbieten, machen es beim Zuhören wohl auch nicht einfacher, aber wir haben das Ding jetzt einfach mal so durchgezogen.

Wer das durchgehört hat, darf sich auf jeden Fall zertifiziert nennen und kann am Gewinnspiel teilnehmen.

Viel Spaß beim Hören wünschen euch Elmar und Pepo, die beide ihr Wirtschaftsstudium in einem früheren Leben an den Nagel gehängt haben.

Die der Analyse bzw. dem Gespräch zugrundeliegenden Dokumente finden ihr hier: https://schalke04.de/ir-anleihen/financials/finanzberichte/

Kommentare (13)

  1. Kein Schalker 24. März 2018 @ 13:03

    Cool gemacht. Tolles Format!

    Der Professor hat die Zahlenwelt hinter dem was in der Öffentlichkeit zu sehen ist echt toll erklärt. Das sind echt mal interessante Insights in das “Business” hinter dem Sport.

    Solche real life Themen sollten viel öfter mal in der Art an der Uni vorgestellt werden. Da wäre das Interesse der Studenten auf jeden Fall voll bei der Sache!

    Wirklich sehr cool gemacht!

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  2. Ich bin eigentlich kein Fußballfan, jedoch echt begeistert, wie der Professor das Sport-Business erläutert hat. Echt super!
    Ein wirklich sehr interessantes und abwechslungsreiches Podcarst.
    Ich bin zwar schon lange kein Studierender mehr, da ich jedoch öfters mal in Hagen bin, werde ich mich mal wegen einer Gasthörerschaft erkundigen.

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  3. Immer wieder spannend diese Sendungen zur Jahresbilanz, letztes Jahr schon mit Sabine und dieses Jahr mit dem Professor den ich bisher nicht kannte. Hörenswert!
    Aus heutiger Sicht erscheint die Entscheidung Goretzka nicht vorzeitig zu verkaufen als fragwürdig, aber man muss die Situation vor einem Jahr vergegenwärtigen:
    ein erfolgloses Jahr lag hinter uns, ob der Trainerwechsel erfolgreich veerlaufen würde war fragwürdig, dazu später der Höwedes-Wechsel. Ich glaube Heidel hatte keine andere Wahl als Goretzka zu halten.

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  4. Bin mir nicht sicher, ob der Weinzierl-Effekt nicht zu hoch bewertet wird, denn mit Breienreiter, di Matteo, gab es ja vergleichbare Efekte auch schon in den Vorperioden.
    Was die G&V leider nicht hergibt: hat S04 überhaupt noch Rückstellungen und wenn ja, wie sind die zu bewerten?
    Bite auch nächstes Jahr wieder eine Folge zu dem Thema, da kann man nie auslernen

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    • Gerrit Brösel 25. März 2018 @ 10:43

      Hallo, Andres, vielen Dank für die Rückmeldung!
      Wir haben im Interview ja versucht, den Weinzierl-Effekt von der Größenordnung nachzuvollziehen. Bei Breitenreiter wird es auch einen Effekt gegeben haben. Nimmt man sich die Zahlen vor, die in der Presse zu finden sind (als Annahmen/Vermutungen), dann gab es an Paderborn eine Ablöse in Höhe von ca. 0,5 Mio. Euro. Da der Vertrag über zwei Jahr lief und die Freisetzung nach ca. einem Jahr erfolgte, ist der Sondereffekt aus der Ablöse in 2016 ca. 250.000 Euro. Dazu kommt als Sondereffekt das noch zu zahlende Grundgehalt für das zweite Jahr. Wenn wir hier – auch für die Assistenztrainer – von 2 Mio. p. a. ausgehen (von denen etwa die Hälfte Ende 2016 noch in den Rückstellungen gestanden haben kann), dann liegt der Breitenreiter-Effekt mit ca. 2,25 Mio. für 2016 deutlich unter dem Weinzierl-Effekt. Da Breitenreiter Anfang 2017 dann wieder untergekommen ist, wird sich hieraus eine Auflösung der Rückstellungen ergeben haben, die sich 2017 positiv ausgewirkt hat: Auf S. 12 des Konzernabschlusses 2017 findet sich hierzu eine Zahl (Auflösung von Rückstellungen TEUR 997); ein Großteil davon haben wir bestimmt (indirekt) Hannover zu verdanken. 🙂
      Die „Sonstigen Rückstellungen“ zum 31.12.2017 (insgesamt 14,2 Mio. Euro) sind höher als zum 31.12.2016 (insgesamt 10,1 Mio. Euro). Die Aufteilung der Rückstellungsgründe findet sich auf S. 11. Ich vermute, von den 14,2 Mio. Euro können sich noch bis zu 6 Mio. auf den Weinzierl-Effekt beziehen. Da Thomas Tuchel ja bei Bayern abgesagt haben soll, suchen die ja weiter… Sollte Herr Weinzierl im Sommer eine Beschäftigung finden, könnte das bei Schalke zu einem positiven Effekt führen, der gut 3 Mio. Euro „bringen würde“. Das Gute an gebildeten Rückstellungen ist ja, dass diese Summe sich schon (negativ) auf das Eigenkapital ausgewirkt hat.

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      • Originaldokument lesen hilft 😉 war halt nicht sicher, ob es entsprechende Rückstellungen gab. Mein Punkt war auch nur (wie im Podcast bereits angedprochen) der jährliche Effekt des Trainerwechsels, von daher hatte ich mich gefragt, wie groß der Effekt ist, wenn man ihn den anderen ggü stellt. Di Matteo reichte dann ja auch bis 2026 rein

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  5. Konzernabschluss leicht gemacht!

    In jeder Hinsicht ein hörenswerter Beitrag. Vielen Dank an Herrn Professor Brösel für einen tollen Einblick in die Zahlenwelt von S04.

    Bitte mehr davon…

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  6. Klasse gemacht! Ein solcher Einblick ist wirklich mal richtig interessant. Euer Gast hat das Thema super vermittelt. So macht BWL Spaß! 😉

    Danke für den hörenswerten Podcast!

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  7. Tolle Sendung, würde ich gerne im nächsten Jahr wieder hören. Entgegen der Anweisung habe ich aber zeitweilig beim Hören gebügelt. Ging auch!

    Gerne mehr hätte ich darüber gehört, wie normal oder riskant es ist, die Konsolidierung jetzt schon für beendet zu erklären und wieder auf neue Schulden zu setzen.

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  8. Hallo zusammen!

    Ein Thema, trocken wie Knäckebrot ;-), wirklich klasse aufbereitet. Klasse Gast zu diesem Thema, der Prof wusste wirklich zu überzeugen! 😉 Und hat dann auch so einige Fakten für mich gerade gezogen bzw. besser eingeordnet, was man im Eifer des Gefechts und mit einer gewissen Emotionalität und Blauäugigkeit beim Blick auf den eigenen Verein gerne mal zu positiv und/oder aber auch zu negativ sieht. Gerne auch im nächsten Jahr wieder eine ähnliche Folge, gerne auch mit diesem Gast. Top!

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  9. Hallo Herr Prof. Brösel,

    m.E. kann man den Anteil der Personalkosten für den Spielerkader + Trainerstab+Vorstand ganz gut über den Umweg der Sozialversicherungbeiträge schätzen, da diese ja bei den Bemessungsgrenzen gedeckelt sind und bei Millionensalären daher keine nennenswerte Rolle spielen. Ausgehend von Arbeitgeberanteilen von ca. 20% (geht ja nur um eine Größenordnung) gäbe das fürs Fußvolk ein Gehaltsvolumen von gut 30 Millionen Euro brutto womit dann etwa 85 Millionen Euro brutto für Kader, Trainer + Vorstand übrig bleiben.
    Die “Flexibilität bei den Gehaltskosten” kommt m.E. schlicht daher, dass bei einem Kader von 25 Spielern und einer durchschnittlichen Vertragsdauer von 3-4 Jahren, jährlich etwa 6-8 Verträge auslaufen und z.B. durch günstigere Jugendspieler ersetzt werden könnten, wenn das erforderlich wäre.
    Auch muss ich Ihnen widersprechen, dass die Eigenkapitalposition von Schalke 04 daran liegt, keine “Eigentümer” zu haben, da unterliegen Sie wohl leider zu sehr dem “Fanbrilleneffekt”. Bei den allermeisten Firmen die schon länger bestehen (und das tut Schalke ja nun schon ne Weile) besteht das Eigenkapital weit überwiegend aus thesaurierten Gewinnen. So hat der von mir (siehe Nick) nicht sonderlich geschätzte FC Bayern seinerzeit bei der Ausgliederung immerhin 22,5 Millionen Euro an Grundkapital in die neue AG eingebracht zu einem Zeitpunkt wo der Umsatz ca. 150 Millionen war. Wenn Sie aktuelle Vergleichszahlen für einen ähnlich strukturierten, wenn auch etwas größeren Verein suchen, sollten Sie mal die Berichte von Real Madrid anschauen. Da hat man in den letzten 10 Jahren ca. 300 Millionen Euro Gewinn thesauriert. Bei Schalke ist einfach vieles auf Kante genäht und man macht regelmäßig Verluste wenn es sportlich mal nicht so läuft. Dass das auch möglich ist wenn nicht zur absoluten Spitze gehört beweist Borussia Mönchengladbach, wo die Spielbetriebs GmbH zu 100% dem e.V. gehört und ein Eigenkapital von ca. 90 Millionen Euro in Form thesaurierter Gewinne vorhanden ist.
    Zu den Investorenmodellen: Es ist freilich richtig, dass die meisten “Investoren” sich selbst eigenltich mehr als Mäzene verstehen und nicht direkt eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgen. Aber auch das gilt nicht in der Pauschalität, bei Glazer und Manchester United beispielsweise handelt es sich um einen klassischen Private Equity Deal mit dem Ziel der Gewinnmaximierung unter Einsatz von reichlich Kredithebel.
    Auch beim Thema Liquidität bleiben für mich Fragezeichen. Durch die Wahl des Schalker Bilanzstichtags stammt z.B. ein erheblicher Teil der jeweils ausgewiesenen Liquidität aus den Jahreskartenverkäufen vor Beginn der Saison, sodass die Lage womöglich im Frühjahr jeweils (vor allem wenn Zusatzeinnahmen aus Pokalwettbewerben ausbleiben) etwas angespannter sein könnte, als in der Bilanz aufscheint. Aus dem Zwischenbericht ist das leider auch nicht ersichtlich weil der Jahreskartenverkauf anscheinend deutlich vor dem 30.6 beginnt (wisst ihr sicher besser als ich, ich schaue nur auf den PRAP). Dass das Umverlaufvermögen geringer ist als allein die Verpflichtungen aus Transfers, die ja doch überwiegend ziemlich kurzfristiger Natur (1-3 Jahre) sind, finde ich ebenfalls nicht ganz unbedenklich.
    Dass Evonik oder adidas ihre Investments als Liebhaberei ansehen wage ich auch mal zu bezweifeln. Es ist und war eine Wette auf einen weiter stark wachsenden Fußballmarkt mit steigenden Merchandisingerlösen (je mehr Trikots der FC Bayern verkauft, desto mehr Geld für adidas) und steigenden Kosten für Werbeflächen. Auch da kann man beobachten, dass der FC Bayern die teils massiven Steigerungen in diesem Bereich in den letzten Jahren bei vergleichbaren Vereinen nicht mehr ganz mitgehen konnte, weil man die eigene Verhandlungsposition durch die Anteilsverkäufe geschwächt hat. Deswegen hat Adidas auch von der Bewertung her mehr bezahlt als Audi, weil man einfach noch mehr Gewinnmöglichkeiten hat.
    Ansonsten vielen Dank, dass sich mal jemand mit entsprechendem fachlichen Hintergrund die Mühe macht, die Zahlen eines Fußballvereins öffenltich aufzuarbeiten, nachdem die mediale Berichterstattung in der Hinsicht mit “unterirdisch” oft noch freundlich umschrieben ist.
    Schöne Grüße aus dem Süden der Republik

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    • Gerrit Brösel 12. April 2018 @ 16:06

      Hallo, Löwenfan, ich danke für die informative Rückmeldung!

      Das von Ihnen vorgeschlagene Vorgehen bezüglich der Personalkosten ist ein denkbares Vorgehen. Dieses ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn zum einen ergibt sich hieraus nur eine Orientierungsgröße, welche nicht valide ist, aber zumindest für den Zeitvergleich genutzt werden kann. Gleichwohl ist bei der Wahl des Prozentsatzes zu berücksichtigen, dass bei Schalke – gemäß Anhangangabe – von durchschnittlich 1.795 Mitarbeitern 1.315 Aushilfen sind. Feste Mitarbeiter sind es lediglich 480. Dieser hohe Prozentsatz an Aushilfen sollte bei der Kalkulation berücksichtigt werden. Zum anderen ist zu berücksichtigen, dass im Personalaufwand ein erheblicher Teil des Weinzierl-Effekts enthalten sein wird. So sollten hier Rückstellungszuführungen und Abfindungszahlungen enthalten sein, die sich bei Spielern ergeben, die im Berichtszeitraum vor Vertragsende verkauft wurden (Giefer, Platte, Sam, Uchida), um z. B. deren Gehaltsrückgang beim neuen Verein zu kompensieren.

      Bezüglich der „Flexibilität bei den Gehaltskosten“ ist das, was Sie sagen, natürlich denkbar. Aber das beträfe ja dann jedes Geschäftsjahr und jeden Verein. Deshalb wäre der Hinweis im Lagebericht auf diese Flexibilität tautologisch und somit überflüssig (was nicht heißt, dass nicht zahlreiche Jahresabschlüsse und Lageberichte tautologische Ausführungen enthalten). 🙂 Aber ein Viertel des Kaders durch Jugendspieler zu ersetzen, wäre – selbst bei der weltbesten Jugendabteilung – aufgrund der sportlichen Ansprüche keine Option.

      Nun einige Ausführungen zum „Eigenkapital/Fremdkapital“, was insgesamt drei Aspekte betrifft:

      1. Natürlich ist es auch für Vereine möglich, Eigenkapital (EK) aufzubauen. Im Falle von Schalke müsste erst mal das negative EK abgebaut werden, dann könnte man positives EK aufbauen. Allerdings setzt das Gewinne voraus und auf Gewinne fallen Steuern an. Vor diesem Hintergrund würde ich, weil es keine EK-Geber im üblichen Sinne gibt, nach dem Abbau des negativen EK beim Ergebnis auf eine schwarze Null, d. h. ein leicht positives Ergebnis schielen bzw. dieses anstreben. Dies folgt aus dem Dilemma zwischen wirtschaftlichen und sportlichen Zielen. Gleichwohl wäre die Bildung von stillen und offenen Reserven wünschenswert. Der Hinweis im Lagebericht auf stille Reserven im Hinblick auf den Kader ist jedoch – zumindest aus theoretischer Sicht und positiv ausgedrückt – nicht besonders sinnvoll.

      2. Bei Schalke betrachten wir ja die Konzernbilanz. Das bedeutet, alle rechtlichen Einheiten, die hierunter fallen. Hierzu können – trotz des insgesamt negativen EK – Einheiten (Unternehmen) zählen, die ein positives EK haben. Aufgrund der notwendigen sog. Konsolidierung ist dies dann im Konzernabschluss so nicht mehr ersichtlich. Insofern können Sie die als Beispiele herangeführten Einzelabschlüsse nicht mit dem Schalke-Konzern vergleichen. Theoretisch ist es denkbar, dass Schalke heute auch 22,5 Mio. EUR oder mehr (aber auch weniger) Grundkapital in eine neue AG einbringt; das kann sogar durch die Aufnahme von Fremdkapital (FK) auf Vereinsebene erfolgen.

      3. Selbst die bestgeführten Industrieunternehmen benötigen gewöhnlich Fremdkapital, was die Überbrückung von Zahlungsfristen etc. betrifft. Das Ziel, schuldenfrei zu sein, ist aus meiner Sicht nicht sinnvoll.

      Zum „Investorenmodell“: Ja, es gibt Ausnahmen, aber die unmittelbare Gewinnerzielungsabsicht von Investoren sollte beim Fußball, wenn nicht sogar beim Sport allgemein, die absolute Ausnahme sein. Mittelbar werden oft weitere Interessen verfolgt, so geht es den genannten Unternehmen (z. B. adidas) natürlich um die „Aufmerksamkeit“ sowie den Zugang als Werbepartner bzw. den Ausschluss von unmittelbaren Konkurrenten als (Werbe-)Partner (z. B. kann ich mir in der Konstellation nicht vorstellen, dass Puma den FCB ausrüstet).

      Beste Grüße in den Süden und viel Erfolg beim Rückweg in den „bezahlten Fußball“.

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